Grundelemente

Im Aikido gibt es einige Grundkonzepte bzw. Grundelemente, auf die wir hier kurz eingehen werden. Diese Seite wird sich im Laufe der Zeit mit Inhalt füllen und stellt erstmal eine Sammlung grundlegener Elemente und Begrifflichkeiten im Aikido dar.

初心 (shoshin) - Anfängergeist
Ähnlich wie im Zen und anderen Budo-Künsten, spielt im Aikido der Anfängergeit eine wichtige Rolle. Er beschreibt eine innere Haltung der Offenheit, des Eifers und der Freiheit von vorgefassten Meinungen. Die Bedeutung des Anfängergeistes steigt mit zunehmender Erfahrung und Fortschritt im Aikido. Im gleichen Zuge wird es jedoch schwieriger, den Anfängergeist zu bewahren. Erfahrungen schränken die Offenheit ein, eingefahrene Verhaltensmuster und Bewegungen etablieren sich, der Platz für Neues wird immer geringer und das Ego wächst. Ein vergleichbares Konzept stellt 白紙 (hakushi) - japanisch für weißes Blatt - dar. Ein anderes weit verbreitetes und wahrscheinlich vielen geläufiges Bild ist das volle Glas, das erst geleert werden muss, um Neues aufnehmen zu können.

受け身 (ukemi) - Fallschule
Das ukemi spielt im Aikido eine wichtige Rolle. Neben dem Ausführen und Erlernen der Aikido Techniken, ist das ukemi ein elementarer Bestandteil des Trainings, der durch regelmäßiges Wechseln der Rollen des uke (Angreifer bzw. Empfänger der Technik) und nage/shite (Ausführender der Technik) stetig verbessert wird. Das gilt insbesondere für Fortgeschrittene Schüler, siehe shoshin! Wie in anderen Budo-Künsten müssen zunächst verschiedene Falltechniken erlernt werden, wie zum Beispiel das Abrollen nach vorne. Durch das häufige Ausführen im Training gehen diese Falltechniken in Fleisch und Blut über, wodurch ihnen auch im Alltag eine wichtige Bedeutung zukommt. Stürze sind wahrscheinlich häufiger die Ursache von Verletzungen als körperliche Übergriffe. Insbesondere bei älteren Menschen können Stürze fatale Folgen haben. Die Bedeutung des ukemi im Aikido kann gewissermaßen mit der eines Schleifsteins beim Schärfen eines Messers oder Schwertes verglichen werden. Das ukemi formt die Aikido Techniken. Je besser das ukemi wird, desto besser wird das Aikido. Gutes ukemi wird nicht automatisch und isoliert bzw. der formverliebt ausgeführt. Gutes ukemi benötigt eine kräftige Körpermitte und muss dem Partner ein weiches aber starkes Feedback geben, um ein Zusammenführen und Fließen der Bewegungen zu ermöglichen. Es geht hierbei nicht um realistische Angriffe wie im Straßenkampf. Diesen müsste anders entgegengetreten werden. Das ukemi im Aikido stärkt die Körpermitte, fördert die Flexibilität und verbessert die Balance, die Koordination, die Reaktion und die Wahrnehmung der Umgebung. Sowohl individuell betrachtet, als auch aus der Sicht einer Aikido Gruppe bzw. eines Dojos, bestimmt die Qualität des ukemi die Qualität des Aikido. ukemi kann hier gewissermaßen als Aushängeschild betrachtet werden. Aikido wird zum großen Teil über das Ukemi gelehrt und gelernt.

気を生かす (ki o ikasu) - Ki leben lassen
Shimizu Sensei erzählt regelmäßig, dass das Aikido Training mit lebendigem Ki erfolgen soll bzw., dass Aikido ein Training zum Aktvieren des Ki ist (合気道は気を生かす稽古です). Ki wird häufig als geistige Kraft oder Lebensenergie übersetzt. Im Prinzip gibt es keine adequate Übersetzung. Zum einen ist es schwierig dieses Konzept in Worte zu fassen, zum anderen ist es in gewissen Maße auch eine Interpretationsfrage. Banal betrachtet und mit größtem gemeinsamen Nenner könnte man davon reden, dass das Aikido Training lebendig erfolgen muss. Eingeschliffene Abläufe und Automatismen sind zu vermeiden, wir müssen wach und aufmerksam sein und eine gewisse Intention austrahlen. Unter diesen Voraussetzungen füllt sich das Aikido Training mit Leben und Fortschritte im Aikido erfolgen auf natürliche Weise.

誘う (sasou) - Einladen
Im Aikido Training beginnen Techniken häufig indem der nage/shite bewusst eine Öffnung kreiert und den Angriff des uke somit lenkt. Der nage/shite ist nicht passiv. Er wird nicht angegriffen sondern lädt den uke aktiv ein und lässt sich angreifen. Hieraus ergeben sich dann unter anderem typische Angriffsformen wie katate, bei der das Handgelenk gegriffen wird, um den Partner zu immobilisieren. Das Prinzip des Einladens ist besonders bei kokyunage Techniken wichtig und setzt voraus, dass die Übungen nicht automatisiert gemacht werden. Wir müssen mit großer Aufmerksamkeit üben und lernen, den Partner zu "lesen".

呼吸 (kokyu) - Atem
Dieses Prinzip ist elementar in verschiedenen Budokünsten. 呼吸 (kokyu) ist eng verbunden mit dem Prinzip des 気 (ki). Im Aikido gibt es verschiedene kokyunage Techniken. Diese sind häufig einfacher was die Ausführung der äußeren Form betrifft und legen den Fokus daher auf die inneren Grundprinzipien des Aikido. Aus diesem Grund sind sie besonders schwierig.

合わす (awasu) und 流す (nagasu) - Zusammenführen/Vereinen und fließen lassen
Diese beiden mit einander in Verbindung stehenden Prinzipien sind in allen Aikido Techniken zu finden. Sie beschreiben das Harmonisieren der eigenen Bewegung mit der des Partners bzw. Angreifers. Dies geschieht in der Regel durch Ausweichbewegungen und Umlenken der Kraft des Gegners, nachdem diese in Leere gelaufen ist. Häufig kommen dabei Drehbewegungen zum Einsatz. Aikido Techniken werden meist dynamisch ausgeführt. Der Angriff wird aufgenommen ohne ihn zu stoppen, um aus einer statischen Position weiter zu machen. Sind die Bewegungsrichtungen vereint, wird der Bewegungsfluss aufrecht erhalten und mündet dann in Wurf- bzw. Hebeltechniken.